Letzten Sonntag in einer anderen Welt

3 von - 10. Dezember 2013 - Hamburg & Zuhause

Am ersten Advent habe ich zum ersten Mal auf einem Weihnachtsmarkt verkauft, und zwar in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Für mich waren das zwei neue Erfahrungen auf einmal: wie ist es, den ganzen Tag an einem Stand zu stehen und meine eigenen, selbstgemachten Gegenstände zu verkaufen. Und wie kommt das, was ich mache, bei den Menschen „auf dem Land“ an. Ich bin dort aufgewachsen, habe fast 20 Jahre meines Lebens dort verbracht. Dort sind meine Wurzeln und viele wunderbare Erinnerungen. Aber ich bin schon lange ein Stadtmensch geworden und wenn ich „nach Hause“ fahre, fahre ich jetzt auch immer ein bisschen in die Fremde. In eine andere Welt. Dort ist alles anders als hier. Häuser, Straßen, Essen, Menschen und Gewohnheiten. Und Geschmack. Schalen aus Beton sind erstmal nicht das, was man unter schöner Weihnachtsdekoration versteht.

Aber trotz dessen, dass Viele an meinem Stand nur geguckt haben und später mit riesigen, kunstschneeüberzogenen Adventskränzen wieder an mir vorbeigezogen sind: Die Menschen auf dem Markt waren superreizend, haben Beton und Pralinen wohlwollend zur Kenntnis genommen und einige haben auch etwas davon gekauft. Meine bezaubernde Familie hat mich den ganzen Sonntag unterstützt, mit mir auf- und abgebaut, Tee gekocht und Kunden angelockt.

Ich bin dankbar, dass ich hier eine neue Heimat gefunden habe, die mir Möglichkeiten gibt, mich und die Dinge immer wieder neu zu sehen. Dinge anders zu denken und anders zu machen. Aber ich bin auch dankbar, dass es meine alte, meine richtige Heimat gibt. Die meine Heimat bleibt, egal, wo ich hingehe. Und in die ich zurückkehren kann, die ich als Versuchskaninchen gebrauchen kann und in der einige Dinge für immer bleiben werden, wie sie sind.

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